Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der
Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und
geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen
verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt
daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern,
von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist.
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit
kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

ein beitrag zur diskussion über krisentheorien

zum text: Marxsche Krisentheorie und Unterkonsumtion der Massen 

in zeiten der krise wird auch verstärkt über krisentheorien diskutiert. dabei bestimmen die in den theorien vermuteten ursachen der krise natürlich die zu ergreifenden gegenmaßnahmen.
so sieht der ökonom jean-paul fitoussi in der ftd (financial times deutschland) vom 6.4.2009 die krise in mangelnder massenkaufkraft begründet. dementsprechend müsste politik vor allem diese kaufkraft stärken.

diese theorie – unterkonsumtionstheorie genannt – ist nicht neu und sehr weit verbreitet, vor allem in linken kreisen; so in den gewerkschaften, der spd, der linkspartei und bei vielen anderen. man kann ihre anwendung in vielen forderungen der demonstration vom 28.3.2009 ("Wir zahlen nicht fuer eure Krise") finden. und sie wird sicher noch länger die debatten und die politik der linken bestimmen. interessant, dass diese in der linken so weit verbreitete theorie jetzt -in krisenzeiten- vom modernen kapitalistenblatt aufgegriffen wird...

diese unterkonsumtionstheorie wird oft unter berufung auf marx vorgetragen. der beitrag, den wir hier zum erstenmal digitalisiert zur verfügung stellen – 1984 analog veröffentlicht -, zeigt, wie wenig marx' ökonomische theorie dazu taugt, die krise aus der unterkonsumtion der massen, insbesondere der lohnarbeit, zu erklären. dabei gibt er einer dringend anstehenden diskussion in der linken über ursachen und folgen von krisen im kapitalismus einige impulse.

im ersten teil des aufsatzes entwickelt er, in welche widersprüche sich eine erklärung der krisen aus marktverhältnissen verwickelt und inwiefern dabei die besonderheit der kapitalistischen produktionweise übersehen wird.

im zweiten teil gibt er nach marx den zusammenhang von krise, akkumulation und lohnbewegung wieder. in aller kürze werden die wichtigsten textstellen von marx referiert. besonders wird das verhältnis der beiden wichtigsten texte - einerseits das siebzehnte kapitel aus den theorien über den mehrwert (MEW 26), andererseits der dritte abschnitt des dritten bandes des kapitals - und welche rolle der tendenzielle fall der durchschnittsprofitrate spielt, beleuchtet. darüber hinaus geht winter besonders auf die darstellung der akkumulation im 23. kapitel des ersten bandes ein. auch wenn man dem autor nicht folgt in der bewertung der lohnbewegung als ursache der krise, verdeutlicht der text die zentrale rolle, die die grenzen der ausbeutung der arbeitskraft für die kapitalistische krise besitzen.

der letzte teil dreht sich vor allem um die politischen folgen der erklärung der krise aus der unterkonsumtion. sie führt linke theoretisch zur anerkennung der sozialpartnerschaft von kapital und lohnarbeit, zur anerkennung eines gemeinsamen interesses von kapital und lohnarbeit am kapitalistischen wachstum. dagegen zeigt die marxsche erklärung der krise die grenzen der bindung der lohnarbeit an das kapital auf, weist dem lohnkampf eine antikapitalistische bedeutung zu und begründet, wie die erklärung der krise aus zirkulationsverhältnissen selbst noch in den fetischformen bürgerlicher vorstellungen befangen ist.